Fußball in Afrika
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Mit Benjamin in seiner Heimat unterwegs

Die Sommerpause in der Fußball-Bundesliga wird von vielen ausländischen Profis für den Heimaturlaub genutzt. Der namibische Nationalspieler Collin Benjamin verbringt regelmäßig seinen Urlaub in seiner Heimatstadt Windhoek.

Bevor er im Jahr 1999 nach Deutschland kam und Profifußballer werden wollte, lebte und spielte er im Township Katutura, wo er jeden Tag ums Überleben kämpfte. Seine Karriere begann in der Verbandsliga bei Germania Schnelsen, bevor er nach einem halben Jahr in die Oberliga nach Elmshorn wechselte und dort vom HSV entdeckt wurde. Über die Amateure wurde Collin in den Profikader berufen. Das erste Bundesligaspiel machte er 2001 für die Rothosen.

In dieser Sommerpause hatte ich die Gelegenheit Collin in seiner Heimat Windhoek zu besuchen und mit ihm einen Streifzug durch sein Vergangenheit zu machen. Er holt mich wie verabredet an meinem Hotel ab und wir fahren gemeinsam zum Haus seiner Mutter, in dem er aufgewachsen ist. Es geht aus dem beschaulichen Stadtteil „Klein Windhoek“, wo hauptsächlich Weisse wohnen, auf die andere Seite der Stadt nach Katutura, dem Township von Windhoek, in dem ausschliesslich Schwarze wohnen. Die deutsche Kolonialgeschichte ist hier noch an jeder Ecke sichtbar, es gibt deutsche Straßenschilder, deutsche Läden und mit Deutsch kommt man fast überall durch. Wir fahren über die Hans-Dietrich-Genscher-Str. nach Katutura und bleiben vor einem kleinen Haus stehen, dem Wohnhaus von Collins Mutter. Zur Feier des Tages hat sie ein landestypisches Gewand angezogen, das sonst nur bei Familienfesten und Feiertagen getragen wird. Freundlich zeigt sie uns das Haus und erzählt ein paar schöne Geschichten aus Collins Kindheit. Überall an der Wand hängen Urkunden, Medaillen und Fotos aus Collin Jungendzeit. Natürlich fehlen auch ein paar HSV-Fanartikel nicht. Anfang der letzten Saison hat sie ihren sohn das erste Mal in seiner Wahlheimat Hamburg besucht. Ihr hat es so gut gefallen, dass sie in diesem Sommer auch noch mal wiederkommen möchte. Auf die Frage, warum sie immer noch im Township wohnt, obwohl ihr Sohn genug Geld hat, um ihr ein neues Haus in einer anderen Gegend zu kaufen, antwortet sie bescheiden, dass ihr gane Familie und Freunde in der Nachbarschaft wohnen und sie den engen Kontakt braucht. Collin erzählt, dass es in Namibia normal ist, dass sich Nachbarn und Verwandte abends in einem Haus treffen und zusammen Essen. Inzwischen sind auch bei unserem Besuch die ersten Verwandten eingetroffen, Schwestern und Cousins begrüßen mich und sind neugierig auf den Besuch aus Hamburg.

Weiter geht es zu einem kleinen Fußballplatz in der Nachbarschaft, Fußballplatz ist allerdings übertrieben. Es ist nur ein kleiner Sandplatz, der mit Steinen übersäht ist. An beiden Enden stehen Tore, die aus 3 Stangen zusammengebunden sind. Hier trifft sich die Jugend zum sportlichen Wettkampf. Die Jungs von der einen gegen die andere Straßenseite. Gespielt wird ums Taschengeld. Hier hat Collin das Fußballspielen gelernt. Mit dem Geld, das er als Profi in Hamburg verdient, möchte er den Platz aufbereiten lassen, damit sich die Jungs nicht immer verletzen. Trotz der Bodenverhältnisse kommt ein rasantes Spiel zu Stande. Collin ist der große Held in der Nachbarschaft, sofort kommen viele Kinder und Jugendliche auf uns zu. Alle wollen uns begrüßen, stellen Fragen und wollen Fotos machen. Es ist eine tolle, freundschaftliche Atmosphäre.
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Wir wollen aber weiter, noch tiefer ins Township hinein. Collin erzählt mir, dass es alleine im Township unzählige Volksgruppen gibt, die unterschiedliche Sprachen sprechen. So kann es sein, dass man 2 Straßen weiter Leute trifft, die er nicht verstehen kann. Da kann es dann auch zu Problemen kommen, wenn man in die falschen Straßen abbiegt. Zwar kann man sich auch auf Englisch verständigen, aber die Schwarzen sprechen untereinander nur ihre Stammessprachen. Wir fahren dennoch weiter, die Behausungen ändern sich, hier stehen nur noch Blechhütten auf Sandpisten, dicht an dicht. Hier kommen nicht viele Weisse her, die Leute beäugen uns zurückhaltend. In einer kleinen Blechhütte steht ein Billardtisch. Wir kaufen uns 2 Getränke, laden noch die anderen 3 Gäste auf ein Getränk ein und schon bricht das Eis. Auch hier sind die Leute freundlich und interessiert. Nach einer Partie Billard geht es weiter, wir wollen abends ins Nationalstadion, wo ein Benefizspiel von Global United stattfindet. Ein Fußballspiel in Afrika dürfen wir uns nicht entgehen lassen.

Andreas Wiese traf HSV-Profi Collin Benjamin in seiner Heimat Windhoek, Namibia


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