CAF Afrika Cup

Rückblick auf den Afrika Cup 2012

Sambia hat sich die afrikanische Fußballkrone aufgesetzt. Doch was bleibt vom Afrika Cup 2012 langfristig in Erinnerung? Wir geben einen Rückblick auf die letzten 3 Wochen.

Sambia ist nicht nur der Champion der Herzen, sondern auch der verdiente Sieger des Afrika Cups 2012. Mit dem Rückblick auf den 27.4.1993, als bei einem Flugabsturz in Libreville 18 Spieler und der damalige Trainer Sambias ums Leben kamen, schließt sich der Kreis für Sambia. Wenige Tage vor dem Finale hat die aktuelle Mannschaft den Unglücksort besichtigt und sich vorgenommen für die Helden von 1993 den Titel nach Hause zu holen. Damals war Sambia auf dem Weg in den Senegal zum WM-Qualifikationsspiel und Sambia stand kurz davor, erstmals bei einer WM dabei zu sein. Doch mit der in Kürze neu zusammengestellten Mannschaft fehlte am Ende ein Punkt in der Qualifikation. Ein Jahr später schaffte Sambia dann überraschend den Sprung ins Finale des Afrika Cups 1994 und verlor das Finale gegen den Favoriten Nigeria mit 1-2. In der Vorrunde 1994 schlug Sambia übrigens den amtierenden Afrika-Champion Elfenbeinküste mit 1-0.

Auch 1974 stand Sambia im Finale und Unterlag der besten Mannschaft seiner Zeit Zaire (heute DR Kongo) mit 0-2 im Rückspiel des Finales in Kairo. Das erste Spiel endete 2-2 nach Verlängerung. Nun im dritten Anlauf schafften die Chipolopolos den Sprung auf Afrikas Thron. Trainer Hervè Renard hat es geschafft eine ausgeglichene Mannschaft zusammen zu stellen, die ohne große Stars aus Europa auskommt. Gleich vier Spieler vom afrikanischen Topverein TP Mazembe aus Lubumbashi sowie mehrere Spieler aus Südafrika konnten sich in Ruhe auf das Turnier vorbereiten. Zudem hat Chris Katongo, der zurzeit in China aktiv ist, ein tolles Turnier gespielt. Es ist schwer aus diesem Kollektiv Spieler herauszuheben, aber neben Katongo haben vor allem Rainford Kalaba und Emmanuel Mayuka für eine gute Offensivabteilung gesorgt. Das hat auch gleich im ersten Spiel der Mitfavorit Senegal zu spüren bekommen, der bereits nach 20 Minuten mit 0-2 zurück lag und später ausschied.

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Der Finalgegner aus der Elfenbeinküste hat zwar auch im Finale geschafft kein Gegentor zu bekommen, aber das Team um Didier Drogba steht nun ohne Titel dar. Er selbst hatte es in der 70. Minute auf dem Fuß, doch er verschoss seinen Elfmeter und geht somit als tragische Figur in die Geschichte des Afrika Cups 2012 ein. Bereits 2006 hatte Drogba im Finale gegen Ägypten im Elfmeterschießen gleich den ersten Versuch verschossen und die Ivorer auf die Verliererstraße gebracht. Ähnlich wie Asamoah Gyan aus Ghana, der im Halbfinale gegen Sambia ebenfalls einen Elfmeter verschoss. Auch hier wiederholt sich die Geschichte. Vor 2 Jahren bei der WM in Südafrika hatte Gyan die Möglichkeit die Black Stars mit einem Elfmeter in der 120. Minute ins Halbfinale zu schießen und scheiterte. Ghana schied ebenfalls aus.

Beim Thema Enttäuschungen muss man zudem an erster Stelle Senegal nennen. Mit einer großen Anzahl von internationalen Topstars sind die Löwen von Teranga angereist, doch die Individualisten wurden kein Team und schieden ohne Punktgewinn aus. Wie in Afrika üblich musste Trainer Amara Traore gehen. Als Nachfolger ist nun Sambias Meistercoach Renard im Gespräch. Ebenfalls enttäuscht haben Marokko und Burkina Faso. Positive Überraschungen gab es allerdings auch einige. Neben Sambia muss man ganz klar Mali nennen. Malis Trainer Alain Giresse musste auf viele Spieler wie Mahamadou Diarra, Frederic Kanoute oder Mohamed Lamine Sissoko verzichten und in der Heimat wurde den Adlern nicht viel zugetraut. Am Ende sprang ein toller 3. Platz heraus. Die beiden Gastgeber Gabun und Äquatorialguinea wussten auch zu gefallen und zogen ins Viertelfinale ein. Was bei Gabun im Bereich des möglichen lag, war für Äquatorialguinea eine Sensation. Für Gabun wäre sogar noch viel mehr drin gewesen, doch im Elfmeterschießen gegen Mali schied das Team von Gernot Rohr unglücklich aus.

Alle Teams im Überblick:

Pl. Team Spiele S U N Tore
1. Sambia 6 4 2 0 9-3
2. Elfenbeinküste 6 5 1 0 9-0
3. Mali 6 3 1 2 6-5
4. Ghana 6 3 1 2 6-5
5. Gabun 4 3 1 0 7-3
6. Tunesien 4 2 0 2 5-5
7. Äquatorialguinea 4 2 0 2 3-5
8. Sudan 4 1 1 2 4-7
9. Guinea 3 1 1 1 7-3
10. Libyen 3 1 1 1 4-4
11. Angola 3 1 1 1 4-5
12. Marokko 3 1 0 2 4-5
13. Senegal 3 0 0 3 3-6
14. Burkina Faso 3 0 0 3 2-6
15. Niger 3 0 0 3 1-5
16. Botswana 3 0 0 3 2-9

*Spielwertung nach 90 bzw. 120 Minuten ohne Elfmeterschießen

Insgesamt waren die Spiele nicht auf einem hohen Niveau. Wenige Tormöglichkeiten, selten gutes Kombinationsspiel. Hier wirkt sich das Fehlen weiterer Topteams wie Ägypten, Nigeria und Kamerun aus. Andererseits hat das Fehlen der Topteams anderen Mannschaften wie Sambia, Gabun oder Mali die Möglichkeit gegeben, sich länger bei dem Turnier zu präsentieren. Das schwache Niveau mag auch am fehlenden Zuschauerzuspruch gelegen haben. Bis auf die die Spiele der beiden Gastgeber waren die Ränge oft leer. Selbst das Finale war nicht ausverkauft. In der Gruppenphase waren im Schnitt gut 3.000 Zuschauer bei den Spielen, im Spiel Burkina Faso gegen Sudan verloren sich ganze 132 Zuschauer in die Arena von Bata (35.000 Plätze). Das war vor 2 Jahren in Angola ähnlich. Einerseits muss die CAF für hohe Sicherheitsstandards und damit meistens neue Stadien sorgen, da es in Afrika immer wieder zu größeren Stadionkatastrophen kommt, anderseits muss die Sinnhaftigkeit hinterfragt werden, wenn die Ausrichter in Stadien und Infrastruktur mehrere 100 Millionen Euro investieren und am Ende nur wenige Zuschauer kommen und die geschaffene Infrastruktur nach dem Cup nur noch wenig Verwendung findet. Das war auch schon ein Problem bei der WM in Südafrika. Vielleicht könnte man das Geld auch anders verwenden. Südafrika 2013 und Marokko 2015 wiederum haben schon eine gute Infrastruktur und hohe Sicherheitsstandards, hier wird der Fanzuspruch sicher wieder besser sein.

Die Schiedsrichter-Leistungen haben sich dem Spielniveau angepasst. Wie fast immer in Afrika war das Gefälle bei den Schiedsrichtergespannen sehr hoch. Einige Schiedsrichter waren schlicht überfordert. Es kam häufig zu Fehlentscheidungen, insbesondere bei der Bewertung von Foulspielen, allerdings gab es kaum spielentscheidende Fehler.

Bis auf an den Sensationssieger Sambia werden nicht viele Erinnerungen an den Afrika Cup 2012 langfristig erhalten bleiben. Gut, dass bereits am 29. Februar die Qualifikation für den Cup 2013 in Südafrika startet und damit auch die Hoffnung, dass 2013 ein besseres Turnier wird, vor allem mit vollen Stadien. In der zweiten Runde der Qualifikation (Auslosung ist im Juni 2012) werden die Teilnehmer des Afrika Cups 2012 gegen die Sieger der ersten Qualifikationsrunde spielen. Damit kann es bereits in der Qualifikation zu heißen Duellen kommen.

Wir bedanken uns für das Interesse über die letzten Wochen zum Afrika Cup 2012. Wir werden weiter über den Fußball in Afrika berichten. Auch in den kommenden Monaten wird es weiter viele spannende Spiele geben:

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Ein Video mit den Top 10 Toren des Afrika Cups 2012: