CAF Afrika Cup

Power Ranking: Wer ist der Topfavorit?

Wo landet Marokko? Was verspricht sich Äthiopien vom Bier? Und wie hat es Kap Verde zum Afrika Cup geschafft? Die ultimative Rangliste beantwortet alle wichtigen und unwichtigen Fragen zum Auftakt des Afrika Cup of Nations 2013.

Didier Drogba (Quelle: imago)Auf geht’s zum Powerranking von 16 auf 1!

Platz 16: Niger

Zum zweiten Mal in Folge ist der deutsche Trainer Gernot Rohr beim Afrika Cup dabei. Im vergangenen Jahr erreichte er mit Co-Gastgeber Gabun das Viertelfinale. Mit der Mannschaft des Niger ist das allerdings nahezu ausgeschlossen. Das nigrische Team genügt auf keiner Position internationalen Ansprüchen, insbesondere offensiv fehlt die Durchschlagskraft. In der Gruppe B mit Ghana, Mali und DR Kongo ist der letzte Platz reserviert, daran ändert ein 3:1-Sieg in der Vorbereitung gegen Togo nichts. Das torlose Remis gegen Burkina Faso entsprach schon eher dem wahren Leistungsvermögen.

Platz 15: Äthiopien

Arsenal-Coach Arsene Wenger freut sich auf den Afrika Cup, immerhin kenne nicht mal er alle Spieler. „Dieses Jahr in Südafrika ist es zum Beispiel Äthiopien, wenn ich Sie auffordere, fünf Spieler von Äthiopien zu nennen, dann werden sie sicherlich Probleme haben.“ Wir können helfen: Die Offensivspieler Adane Girma, Oumed Oukri (beide Saint George/Äthiopien) Saladin Said (Wadi Degla/Ägypten), Yusuf Salah (Syrianska/Schweden) und Fuad Ibrahim (Minnesota Stars/USA) sollen den Außenseiter zum Erfolg führen, der erstmals seit 31 Jahren wieder beim Afrika Cup dabei ist. Die Steinböcke müssen ihre Stärke trotzdem aus der mannschaftlichen Geschlossenheit ziehen. Denn abgesehen von Niger – die man in der Vorbereitung mit 1:0 schlagen konnte – gibt es keinen qualitativ schwächer besetzten Kader bei diesem Turnier. Die 110.000 Dollar Prämie pro Kopf für den Turniersieg – ein Vertrag mit Bedele Beer macht diese Wahnsinnssumme für das arme Land möglich – kann der Verband definitiv einsparen.

Platz 14: Togo:

Denkt man an Togo, kommt einem die WM 2006 in den Sinn, als der deutsche Trainer Otto Pfister mit tief aufgeknöpftem Hemd an der Seitenlinie drei Niederlagen zu verantworten hatte. Togo steht aber auch für chaotische Verhältnisse im Verband, die Prämien der Spieler sind ein Dauerthema. Nun hat die Fédération Togolaise de Football Didier Six als Trainer verpflichtet. Six war als Spieler für Frankreich in den 80er Jahren zwar sehr erfolgreich, seitdem aber nicht mehr im Profi-Fußball tätig. Das wäre so, als wenn Deutschland zur WM 2014 mit Bodo Illgner als Bundestrainer antreten würde. Die Sperber werden in der Gruppe D auch deshalb nicht über den letzten Rang hinaus kommen, daran ändert auch die nachträgliche Nominierung von Starstürmer Emmanuel Adebayor nichts.

Platz 13: Angola

Der größte Erfolg der Schwarzen Antilopen war die Teilnahme an der WM 2006 in Deutschland. Dort erreichten sie nach zwei Remis und einer knappen Niederlage immerhin den dritten Platz in ihrer Gruppe. Das beste Ergebnis beim Afrika Cup war das Erreichen des Viertelfinals (2008 und 2010). Trotzdem ist Angola für Trainer der Schleudersitz Afrikas. Gustavo Ferrin aus Uruguay übernahm im Juli 2012 und ist der sechste Trainer in vier Jahren. Ferrin lässt in einem 4-3-3 mit drei kompakt agierenden zentralen Mittelfeldspielern agieren. Alles ist dabei auf Manucho (Real Valladolid) ausgerichtet, der zwar nicht mehr der Schnellste, aber ein echter Torjäger ist. Die Schwarzen Antilopen haben somit genau einen Plan zum Toreschießen und kaum Qualität in der Hinterhand. Zu wenig, um die Vorrunde zu überstehen.

Platz 12: Kap Verde

Kap Wer? Der Inselstaat vor der Westküste Afrikas hat gerade einmal 500.000 Einwohner. Dennoch gelang es dem Team sich erstmals für den Afrika Cup zu qualifizieren. Die Blue Sharks konnten in der Qualifikation sensationell Kamerun aus dem Rennen werfen. Die Stars des Teams sind Ryan Mendes (Lille) sowie Heldon (Maritimo) und Djaniny (Olhanense), die in Portugal spielen. Trainer Lucio Antunes wird neuerdings der Mourinho des Mittelatlantiks genannt. Antunes verbrachte zuletzt einige Tage beim Coach von Real Madrid, um sich Tipps für das Turnier zu holen. Vielleicht gelingt den Blue Sharks ja erneut eine Überraschung. Wer den viermaligen Afrika-Cup-Sieger Kamerun schlägt, der muss etwas drauf haben? Für Kap Verde gilt wohl eher das Olympische Motto: Dabei sein ist alles. Nach der Gruppenphase ist Schluss.

Platz 11: Burkina Faso

Burkina Faso ist zum achten Mal beim Afrika Cup dabei, aber nur 1998 überstanden die Hengste die Vorrunde und wurden am Ende Vierter. Die Laufbahn von Trainer Paul Put ist nicht mit Erfolgen gespickt, stattdessen wurde er in seiner belgischen Heimat wegen der Verwicklung in einen Wettskandal (2006) für drei Jahre gesperrt. Allerdings hat Put einen interessanten Kader zur Verfügung. Alain Traoré (Lorient) und Charles Kaboré (Marseille) sind die Stars der Mannschaft. Beide werden jedoch wohl im ersten Spiel gegen Nigeria fehlen. Traoré laboriert an einer Fersenverletzung, Kaboré sitzt eine Gelbsperre ab. In Deutschland kennt man vor allem den Ex-Hamburger Jonathan Pitroipa (Rennes). Stürmer Aristide Bancé hat in Augsburg noch nicht zu seiner Form gefunden. In den letzten Freundschaftsspielen enttäuschten die Hengste zudem mit 0:0 gegen Bahrain und Niger.

Platz 10: DR Kongo

Die Demokratische Republik Kongo ist eine von drei Mannschaften, die mit Bundesliga-Erfahrung nach Südafrika reist. Cédric Makiadi verpasst den Rückrunden-Auftakt mit dem SC Freiburg, was den Freiburgern mehr weh tun, als es dem erfahrenen Trainer Claude Le Roy helfen dürfte. Denn Makiadi ist im Nationalteam kein Stammspieler. Die Leoparden stehen in der Fifa-Weltrangliste sogar hinter dem Niger und Burkina Faso, nur Äthiopien ist schlechter platziert. Sollte die Truppe von Trainer Le Roy dennoch Platz zwei in der Gruppe B erreichen, dann muss wohl Torjäger Dieumerci Mbokani – Wolfsburg-Fans nicht in bester Erinnerung – seine tolle Form vom RSC Anderlecht mit nach Südafrika gebracht haben.

Platz 9: Tunesien

Maghreb-Duelle zwischen Tunesien, Algerien und Marokko haben beim Afrika Cup besondere Brisanz. Beim letzten Turnier gewann Tunesien in der Gruppenphase gegen Marokko, das soll nun gegen Algerien wiederholt werden. Die Tunesier leben von ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, ein echter Star fehlt im Team von Trainer Sami Trabelsi. Die Qualifikation zum Turnier gelang nur glücklich durch ein 2:2 und 0:0 gegen Sierra Leone. Und auch wenn es in der WM-Qualifikation bisher mit zwei Siegen besser lief, werden die Adler von Karthago in der Vorrundengruppe D ausscheiden.

Platz 8: Sambia

Wer erinnert sich nicht an das spannende Elfmeterschießen im Finale des Afrika Cups 2012, als Sambia die Elfenbeinküste schlug und erstmals den Titel holte? Trainer ist nach wie vor der Franzose Hervé Renard (Afrikas Trainer des Jahres 2012). Der ehemalige Assistent von Claude Le Roy legt viel Wert auf Disziplin, mannschaftliche Geschlossenheit und Teamgeist. Was bleibt ihm auch übrig, denn im Kader der Chipolopolo (Gewehrkugeln) findet man keine internationalen Stars. Der ehemalige Bielefelder Stürmer Chris Katongo ist Kapitän und wichtigster Spieler des Teams. Die Stärke des Vorjahressiegers liegt weiter im Kollektiv. Sambia wird in der Gruppe C mit Nigeria um den Gruppensieg kämpfen. Doch Vorsicht! Es droht das Aus im Viertelfinale. Der Gruppenzweite könnte dann auf die Elfenbeinküste treffen. Dann müsste Trainer Renard wohl erneut in seine Trickkiste greifen, denn mit Magie kennt er sich aus. „Acht Jahre lang habe ich den Müll rausgetragen“, sagte der ehemalige Gebäudereiniger 2012. “Jetzt stehe ich als Trainer im Endspiel des Afrika Cups. Fußball ist magisch, oder?“

Platz 7: Mali

Ob der Bürgerkrieg in Mali und der Einmarsch Frankreichs in das westafrikanische Land eine Belastung oder gar Motivation für die Spieler sein wird, ist schwer zu beurteilen. Das Potenzial der Mannschaft von Trainer Patrice Carteron reicht nach dem dritten Rang im vergangenen Jahr erneut für den Einzug ins Viertelfinale. Welches Team hat schon einen Mittelfeldspieler der Klasse von Seydou Keita? Der 33-Jährige spielte bis letzten Sommer bei Barcelona, wechselte dann nach China. Nachdem die Liga dort beendet war, hielt er sich erneut beim FC Barcelona fit. Zusammen mit Mohamed Sissoko (Paris St Germain) bildet er ein starkes zentrales Mittelfeldduo. Modibo Maiga (West Ham United) und Cheick Diabaté (Bordeaux) sollen im Angriff für Wirbel sorgen. Der Aufwind durch den drittbesten Platz eines afrikanischen Teams in der Fifa-Weltrangliste wird die Adler beim Afrika Cup allerdings nicht weiter beflügeln.

Platz 6: Südafrika

Nach dem Rücktritt des Ex-Dortmunders Steven Pienaar ist Bongani Khumalo (PAOK Saloniki) der Kapitän der Bafana Bafana. Zu den Eckpfeilern des Teams gehören außerdem der mitspielende Torhüter Itumeleng Khune sowie Siphiwe Tshabalala (Kaizer Chiefs), Thulani Serero (Ajax Amsterdam) und Stürmer Katlego Mphela (Mamelodi Sundowns). Gute Ergebnisse gegen Brasilien und Polen gaben der Bafana Bafana nach einer langen Serie ohne Sieg wieder Auftrieb. Allerdings kam es in der Vorbereitung auch zu Pleiten gegen Norwegen und Sambia. Der zweite Platz in der Gruppe A ist dem Team von Trainer Gordon Igesund mit dem Heimvorteil durchaus zuzutrauen, die Harmlosigkeit in der Offensive verhindert aber den Halbfinaleinzug.

Platz 5: Algerien

Welcher Spieler drückt dem diesjährigen Afrika Cup seinen Stempel auf? Nicht mehr nur ein Geheimfavorit ist Sofiane Feghouli, der beim FC Valencia nach einer glänzenden Hinrunde seinen Vertrag bis 2016 verlängert hat. Durch den algerischen Fußballer des Jahres könnten die Wüstenfüchse in das Titelrennen eingreifen. Feghouli gilt als kommender Star des afrikanischen Fußballs, mit seinen 22 Jahren fehlt ihm aber noch die Erfahrung. Im System von Trainer Vahid Halilhodzic, der nach seiner Zeit bei der Elfenbeinküste zum zweiten Mal eine Mannschaft beim Afrika Cup betreut, spielt der ehemalige französische Jugendnationalspieler Feghouli die entscheidende Rolle. Man darf aber auch auf Hilal Soudani (Guimaraes) und Foued Kadir (Valenciennes) gespannt sein.

Platz 4: Marokko

Die Tage von Eric Gerets als Trainer von Marokko waren nach der 0:2-Niederlage im Qualifikations-Hinspiel gegen Mosambik gezählt. Nachfolger Rachid Taoussi brachte das Team mit einem 4:0 im Rückspiel souverän zum Afrika Cup, sortierte mit Adel Taarabt (Queens Park Rangers), Marouane Chamakh (West Ham), Houcine Kharja (Al-Arabi Sports Club) und Mbark Boussoufa (Anzhi Makhachkala) aber viele bekannte und erfahrene Spieler aus. Dabei hat die Abteilung Attacke der Atlas-Löwen immer noch einiges zu bieten. Younès Belhanda wurde mit Montpellier sensationell französischer Meister. Der Spielmacher könnte zum Spieler des Turniers werden. Zusammen mit Youssef El Arabi (Granada), Mounir El Hamdaoui (Florenz) und Oussama Assaidi (Liverpool) dürfen wir im Spiel nach vorne einiges erwarten. Die Defensive ist bis auf Mehdi Benatia (Udinese) allerdings nicht hochkarätig besetzt. Das Offensivpotenzial sollte die Atlas-Löwen jedoch bis ins Halbfinale spülen.

Platz 3: Nigeria

Nigeria gehört zu den Big Five in Afrika und hält den Rekord für die meisten Halbfinalteilnahmen, aus denen am wenigsten heraussprang (13 Mal im Halbfinale, nur zwei Titel). Ohne die aussortierten Obafemi Martins und Peter Odemwingie, aber mit sechs Spielern aus der nigerianischen Premier League, besitzen die Super Eagles eine gute Mischung aus Erfahrung und Talent. Kapitän Joseph Yobo (Fenerbahce) und John Obi Mikel (Chelsea) führen das Team an, richtig stark besetzt ist Nigeria aber im Sturm. Dabei waren die Super Eagles schon immer mit außergewöhnlichen Stürmern gesegnet. Wer erinnert sich nicht an Emmanuel Amuneke, Finidi George oder Nwankwo Kanu? Im aktuellen Kader stehen mit Victor Moses (Chelsea), Emmanuel Emenike (Spartak Moskau), Ahmed Musa (ZSKA Moskau), Brown Ideye (Dynamo Kiev) und Ikechukwu Uche (Villarreal) gleich fünf Topstürmer zur Verfügung. Mit dieser geballten Qualität im Offensivbereich gehört Nigeria nicht nur historisch zu den Big Five, sondern auch zu den Topfavoriten auf den Turniersieg in diesem Jahr.

Platz 2: Ghana

In Abwesenheit von Rekordgewinner Ägypten (7 Titel) geht Ghana (4) mit der besten Bilanz in das diesjährige Turnier. Der letzte Titelgewinn (1982) liegt aber schon lange zurück, aus dem aktuellen Kader war nur John Paintsil damals schon auf der Welt. Das aktuelle Team der Black Stars hat durchaus die Fähigkeiten, um die lange Zeit des Wartens zu beenden: Die Abwehr ist jung und routiniert zugleich, mit Kwadwo Asamoah (Juventus Turin) gibt es im Mittelfeld einen echten Star und Asamoah Gyan hat im Angriff schon häufig seine Torgefahr unter Beweis gestellt. Das entscheidende Puzzleteil könnte aber Trainer James Kwesi Appiah sein, der mit Ghanas U 23 die Panafrikanischen Spiele gewinnen konnte und als junger aufstrebender Trainer in Afrika gilt.

Platz 1: Elfenbeinküste

Ein Blick auf den Kader der Elfenbeinküste lässt keine andere Rolle als die des Topfavoriten zu. Didier Drogba, Yaya Touré, Gervinho, Lacina Traoré, Emmanuel Eboué – die Liste der Stars aus den großen europäischen Ligen ist bei keinem anderen Team so lang. Und doch reichte es bisher nicht zum Titel für die Goldene Generation der Ivorer, 2006 und 2012 ging das Finale des Afrika Cups jeweils im Elfmeterschießen dramatisch verloren, 2008 unterlag man im kleinen Finale gegen Ghana und wurde nur Vierter. Kritiker glauben erneut an ein Scheitern in letzter Sekunde, das Alter, die fehlende Hierarchie und auch die Unerfahrenheit des neuen Trainers Sabri Lamouchi sollen gegen den ersten Titel nach 1992 sprechen. Wir glauben an die Elefanten (Les Éléphants) und an ein Geschenk für den dann wohl abtretenden Weltstar Drogba.

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