FIFA WM 2014

WM-Check: Elfenbeinküste

Die Erwartungen an die Elfenbeinküste sind sehr hoch. Es ist die letzte Chance, für die bereits in die Jahre gekommene Goldene Generation um Drogba und Touré, eine erfolgreiche Weltmeisterschaft zu spielen.

Gruppe und Erwartungen:

Bei den ersten beiden WM-Turnieren erwischten die Ivorer jeweils eine Todesgruppe und flogen in der Vorrunde raus. 2006 in Deutschland ging es gegen Argentinien, die Niederlande und Serbien-Montenegro. 2010 auf dem heimischen Kontinent, reichte es gegen Brasilien, Portugal und Nordkorea ebenfalls nicht. Dieses Jahr kann eine schwere Gruppe nicht mehr als Ausrede benutzt werden. Sicherlich, Japan, Kolumbien und Griechenland sind sehr unangenehme Gegner, doch alles andere als ein Weiterkommen, wäre für die Westafrikaner eine riesige Enttäuschung.

Die Goldene Generation, die bis dato auch noch keinen Afrika-Cup gewinnen konnte, würde bei einem Ausscheiden in der Vorrunde, als „Versager-Team“ in die Annalen eingehen. Der Druck ist hoch, vor allem für Didier Drogba, der im gespaltenen Land die Rolle als Friedensstifter und Identifikationsfigur einnimmt. Ein erfolgreiches Abschneiden würde dem Staat, zumindest auf kurze Zeit, Einheit bringen. Drogba weiß um die Bedeutung der „Elefanten“ in seinem Heimatland. In seinem letzten Jahr beim FC Chelsea, gewann er auf den letzten Drücker die ersehnte Championsleague. Vielleicht kann er bei seinem letzten WM-Turnier ebenfalls auftrumpfen.

Die Mannschaft:

Der Spielerkern der Elfenbeinküste, ist seit Jahren der Selbe. Stürmerstar Didier Drogba ist zwar längst nicht mehr der Alte, verfügt aber immer noch über eine enorme Qualität und Spielintelligenz und ist vor dem Tor brandgefährlich. Er bildet die einzige Spitze im Team von Sabro Lamouchi. Unterstützt wird er von den beiden Außenstürmern Gervinho und Salomon Kalou. Der dribbelstarke Gervinho erlebte beim AS Rom ein sehr erfolgreiches Jahr und ist heiß auf die WM. Auch Kalou erzielte für den OSC Lille immerhin 14 Saisontreffer und bringt aus seiner Zeit mit dem FC Chelsea, viel internationale Erfahrung rein.

Spielmacher, Antreiber, zentraler Spieler und Motor der „Elefanten“ ist Yaya Touré. Der Weltklassemann von Manchester City besitzt auf dem Feld eine Dynamik, die in der Fußballwelt wohl einmalig ist. Er ist offensiv brandgefährlich, zugleich Robust und Zweikampfstark. Nicht umsonst wurde er in den letzten drei Jahren stets zum „Fußballer des Jahres“ in Afrika gewählt. Die Rolle als Abräumer vor der Abwehr erfüllt Cheikh Tioté, dem dank der englischen Premier League, die nötige Härte nicht fehlt. Auch Serey Dié vom FC Basel, ist eher der Spielzerstörer. Er spielte eine gute Saison in der Schweiz und soll Yaya Touré den Rücken freihalten. Beide gelten als „Kartenkönige“.

Die Innenverteidigung bilden Yayas Bruder Kolo Touré und Didier Zokora. Beide besitzen eine riesige Erfahrung sind aber ebenfalls schon älter. Kolo spielte beim FC Liverpool diese Saison keine besonders wichtige Rolle mehr. Vielleicht wird aber gerade eine letzte WM, die beiden nochmal pushen. Eine Alternative zu Zokora, wäre Sol Bamba von Trabzonspor, der aber ebenfalls nicht viele Spiele in dieser Saison gemacht hat und nach einer Verletzung noch nicht richtig fit ist. Dagegen ist Routinier Emmanuel Eboué nicht nominiert worden.

Auf der rechten Abwehrseite hat der talentierte Serge Aurier seinen Platz eingenommen. Der Außenverteidiger interpretiert seine Rolle sehr offensiv, und schaltet sich immer wieder gefährlich ins Angriffsspiel ein. Auf der linken Seite verteidigt voraussichtlich Arthur Boka. Auf einen Topkeeper kann die Elfenbeinküste nicht bauen. Copa Barry ist sicherlich ein erfahrener Torhüter, die nötige internationale Klasse fehlt dem Mann vom KSC Lokeren jedoch. Ausreichende Alternativen hat die Elfenbeinküste mit Seydou Doumbia, Wilfried Bony und Lacina Traoré, lediglich im Sturm. Ein Ausfall von Drogba wäre sicherlich äußerst Unangenehm, doch eher zu verkraften, als die Verletzung eines Stammspielers in einem anderem Mannschaftsteil.

Der Trainer:

2012 zauberte die Elfenbeinküste einen no-name Trainer aus dem Hut. Der Franzose Sabri Lamouchi übernahm den Posten als Nationaltrainer der „Elefanten“. Dabei trainierte er vorher keine Profi-Mannschaft. Erst 2009 beendete er seine Karriere als aktiver Profi. Vielleicht tut der jugendliche Elan des Trainers der Mannschaft gut. Wichtig ist, dass auch die älteren Spieler ihn voll respektieren und keine Revolutionen ausbrechen.

Qualifikation:

Relativ souverän setzte sich die Elfenbeinküste ohne eine einzige Niederlage in der Qualifikation durch. In der Gruppenphase ließen die „Elefanten“ Marokko, Tansania und Gambia hinter sich. In den beiden entscheidenden Play-Off Partien konnte man sich gegen den Senegal durchsetzen. Die erste Partie wurde sicher mit 3:1 gewonnen. Im Rückspiel mussten die „Elefanten“ eine Viertelstunde zittern, da Moussa Sow in der 77. Minute zum 1:0 traf. In der Nachspielzeit glich Salomon Kalou zum 1:1 aus.

Prognose:

Geht man nach der Qualität der Mannschaften, hat die Elfenbeinküste das Zeug, die Gruppe zu überstehen und sich für das Achtelfinale zu qualifizieren. Dafür muss sie aber als Einheit auftreten, was sie in den letzten Jahren nicht immer getan hat. Auch weil der unangefochtene Status von Didier Drogba in der Mannschaft nicht immer einfach so hingenommen wurde. Den meisten Spielern sollte in Brasilien aber bewusst sein, dass es wohl ihre letzte Chance bei einer Weltmeisterschaft ist und dass sie sich würdig präsentieren müssen. Gelingt das, ist der Weg ins Achtelfinale frei. Sollte die Gruppe überstanden werden, ist aller aller spätestens im Viertelfinale Schluss. Realistischer ist jedoch sogar ein Ausscheiden im Achtelfinale, da die Gegner vermutlich Italien, Uruguay oder England heißen.

Autor: Arsenij Zakharov