FIFA WM 2014

WM-Check: Algerien

Zum zweiten Mal hintereinander qualifizierten sich die „Wüstenfüchse“ für ein WM-Turnier. Die Euphorie im Land ist riesengroß.

Gruppe und Erwartungen:

Nach den letzten beiden erfolgreichen Qualifikation wurde gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr und der WM-Titel schon längst in der Tasche. Leider, kamen sogar Menschen ums Leben. Die algerische Nationalmannschaft ist auch für die Politiker eine Staatsangelegenheit. Es kam schon einige Male vor, dass der Präsident mehrere Flugzeuge buchte, um die euphorischen Fans zu wichtigen Partien zu transportieren. Vermutlich wird dieses Jahr gar die gesamte arabische Welt mit den „Wüstenfüchsen“ fiebern, da sie das einzige arabische Land bei der Weltmeisterschaft ist. Zugleich hoffen die Fans auf einen ähnlich starken Auftritt wie bei der WM 1982, wo man Deutschland schlagen konnte und nur wegen des Nichtangriffspaktes von Gijon, ausschied.

Trotz eines Kaders, mit vielen europäischen Legionären, von denen Wenige auch bei starken Vereinen wichtige Rollen einnehmen, ist Algerien in der Gruppe dennoch ein Außenseiter. Die Geheimfavoriten aus Belgien, die von Fabio Capello trainierten Russen und die bei Turnieren immer stark auftretenden Südkoreaner, scheinen den Algeriern einen Schritt voraus zu sein. Doch vielleicht kann Algerien gerade in der Außenseiterrolle, plötzlich überraschen. Der erfahrene Trainer Vahid Halihodzic ist ein Meister seines Faches und gilt als einer der erfolgreichsten Trainer in seinem Heimatland Bosnien. Die algerischen Fans werden jedenfalls auch bei einem Ausscheiden ausgelassen feiern.

Die Mannschaft:

Getragen wird die Mannschaft vor allem durch einen Star: Sofiane Feghouli vom FC Valencia. Der Rechtsaußen entwickelte sich in den vergangenen Spielzeiten zu einem tollen Spieler und brachte sich durch seine fantastische Technik auch bei großen Vereinen ins Gespräch. Ähnliches Potential, wenn auch noch nicht so entwickelt, hat Saphir Taider. Der junge Mittelfeldstratege wechselte vor der letzten Saison für fünf Millionen Euro von Bologna zu Inter Mailand. Dort erhofft er sich den Durchbruch als internationaler Topspieler. Halihodzic wird ihm vermutlich auf der „10“ den Vorzug lassen. Ein weiterer junger Spieler mit viel Potential ist Nabil Bentaleb. Im letzten Testspiel gegen Slowenien brachte in Halihodzic von Anfang an und nominierte ihn schließlich auch für die WM. Der erst 19-Jährige, wird wohl zunächst auf der Bank Platz nehmen, kann als offensiver „6er“ bei Bedarf aber immer gebracht werden. Auf Linksaußen wirbelt Hillel Soudani. Der Algerier spielt bei Dinamo Zagreb und kommt dort auf viele Treffer und Vorlagen. Auch in der Nationalmannschaft erzielte er in zwanzig Spielen, zehn Tore. Vorne im Sturm dürfte Islam Slimani gesetzt sein. Auch er kommt in der Nationalelf auf die gleiche Quote und wurde 2013 zu Algeriens Fußballer des Jahres gewählt. Im defensiven Mittelfeld hat Halihodzic eine menge Möglichkeiten.

Wahrscheinlich ist, dass Halihodzic eine defensivere Variante aufstellt. Mehdi Mostefa scheint auf dieser Position gesetzt zu sein. Der Abräumer soll die wichtigen Zweikämpfe im Mittelfeld gewinnen. Neben ihm streiten sich die erfahrenen Hassan Yebda, der schon bei der WM 2010 dabei war, und Mehdi Lacen, vermutlich um den Platz neben Mostefa. In der Abwehr ist Kapitän Madjid Bougherra der Chef. Der kopfballstarke Innenverteidiger ist der Kapitän der Mannschaft und bringt reichlich Erfahrung mit. Carl Medjani wird wohl den Platz neben ihm einnehmen, ist bei seinem Verein Valenciennes aber kein Stammspieler. Rafik Halliche und Essaid Belkalem sind mögliche Alternativen für Medjani.

Bei spielstarken Mannschaften wird Algerien in der Defensive vermutlich größere Probleme bekommen, denn die Klasse der Spieler reicht nicht an ein WM-Niveau ran. Faozi Ghoulam hat einen Stammplatz als Linksverteidiger. Auch er ist ein Spieler mit viel Potential, was auch dem SSC Neapel nicht entgangen war, die den Algerier in der Winterpause für fünf Millionen holten. Der offensive Linksverteidiger spielte sich gleich in die Startelf und ist in guter Form. Die rechte Verteidigung ist hingegen nicht so gut besetzt. Dort liefern sich Khoualed und Aissa Manti einen Kampf um den Stammplatz. Rais M’Bolhi wird wahrscheinlich das Tor hüten. M’Bohli erlebte ein schwieriges Jahr, konnte aber schon bei der letzten WM mit zwei tollen Leistungen überzeugen. Entwickeln sich die jungen Spieler in den nächsten Jahren gut, hat Algerien eine rosige Zukunft.

Qualifikation:

Algerien setzte sich in der Gruppe souverän gegen Mali, Ruanda und den Benin durch. Fünfzehn Punkte hatten die „Wüstenfüchse“ in der Endtabelle auf dem Konto. Sieben mehr, als der zweite Mali. In den Play-Offs wurde es hingegen deutlich knapper. Gegen Burkina Faso, wurde das erste Spiel Auswärts in Ouagadougou mit 2:3 verloren. Die zwei wichtigen Auswärtstreffer zeigten im Rückspiel dann aber ihre Wirkung. Abwehrchef Bougherra erzielte schließlich nach 49. Minuten das ersehnte Tor.

Der Trainer:

Vahid Halihodzic ist ein sehr erfahrener Trainer und gilt, wie bereits erwähnt, als einer der Besten seines Faches in Bosnien. Auch in Afrika trainierte er schon den marokkanischen Verein Raja Casablanca und die Elfenbeinküste, die er zur WM 2010 führe, sie dort aber nicht betreuen durfte. Zudem kommt er auf zahlreiche Jahre bei französischen Spitzenklubs, wie Paris SG, OSC Lille und Stade Rennes. Die Gegner sollten Halihodzic Mannschaft deshalb sehr sehr ernst nehmen.

Prognose:

Wird die Mannschaft von Vahid Halihodzic unterschätzt, werden die Gegner eine bitterböse Überraschung erleben. Die Algerier sind durchaus in der Lage, auch gegen stärkere Teams, ein äußerst unangenehmer Gegner zu sein. Fürs eigene Weiterkommen, wird es aber vermutlich nicht reichen.

Autor: Arsenij Zakharov