FIFA WM 2014

WM-Check: Nigeria

Sei es der Afrika-Cup oder eine Weltmeisterschaft, die Erwartungen an die „Super Eagles“ sind immer enorm hoch. Seit der goldenen Generation um Jay-Jay Okocha erwarten die Fans und der Verband von der Mannschaft stets die besten Resultate.

Erwartungen und Gruppe:

Unzählige Trainer wurden schon Opfer dieser hohen Erwartungshaltung. Auch Stephen Keshi, der bereits seit 2011 im Amt ist, erlebte ein unangenehmes Szenario. Während des Afrika-Cups 2013, den Nigeria im Endeffekt gewann, drohte der nigerianische Verband Keshi zu feuern. Nach dem Titelgewinn trat Keshi aus Protest zurück, annullierte seinen Rücktritt aber schon wieder nach einem Tag. Unruhe ist im nigerianischen Fußball ein Dauerzustand, was auch die Prämienstreitereien während des Confederations-Cups 2013 bezeugten. An talentierten Spielern, mangelt es den „Super Eagles“ hingegen nicht. Vor einem Jahr gewannen sie bereits zum vierten mal die U-17 Juniorenweltmeisterschaft und sind nun alleiniger Rekordhalter. Schade, dass es den „Super Eagles“ trotz solch einer famosen Jugend nicht gelingt, öfters gute Resultate zu erzielen.

Die Fußballpolitik spielt dabei jedenfalls eine wichtigere Rolle. Bereits vor der letzten WM herrschte das Chaos. Ein Testspiel wurde abgesagt, das Trainingslager in letzter Sekunde verschoben. Schließlich schieden Nigerianer in einer leichten Gruppe mit Griechenland und Südkorea, als Gruppenletzter aus. Dieses Jahr soll alles anders werden. Bei der WM erwischte Nigeria wieder eine eher schwächere Gruppe. Neben dem Favorit aus Argentinien, spielen die Westafrikaner gegen Bosnien und den Iran. Dabei wird man sich höchstwahrscheinlich mit Bosnien, einen Kampf um den zweiten Platz liefern. Der gewonnene Afrika-Cup erzeugt Hoffnung, doch auch enormen Druck. Der Mannschaft und dem Trainer Stephen Keshi ist völlig klar : Der Verband und die Fans würden ein Ausscheiden in der Gruppenphase nicht akzeptieren.

Die Mannschaft:

Keshis erfolgreiche Geheimformel ist eine Mischung, aus etablierten und jungen hungrigen Spielern. Im Tor steht bei den Nigerianern seit Jahren eine feste Größte. Vincent Enyeama ist Kapitän der „Super Eagles“ und der wohl beste afrikanische Torhüter. Den Leistungsschwankungen vieler Keeper in Afrika, scheint er nicht unterlegen. So wurde er dieses Jahr in Lille mehrmals zum Spieler des Monats gewählt und schaffte eine Serie von über 1000 Minuten ohne Gegentor. Die Abwehr ist hingegen wohl die größte Baustelle der Nigerianer. Dort kann es aufgrund fehlender Erfahrung auch mal lichterloh brennen. Auf Links ist Elderson vom AS Monaco gesetzt, der in seinem Verein aber wenig Spielpraxis bekam. Obwohl Keshi den erfahrenen Innenverteidiger Yoseph Yobo länger nicht nominierte, nahm er ihn mit nach Brasilien. Er soll die junge unerfahrene Abwehr lenken, sei es auch von der Ersatzbank. Efe Ambrose, Stammspieler bei Celtic Glasgow, scheint einen Stammplatz auf Rechts sicher zu haben. Das aufstrebende Talent Kenneth Omeruo, wird vermutlich einer der beiden Innenverteidiger sein.

Im Mittelfeld dirigiert seit Jahren John Obi Mikel. Im Nationaldress der „Super Eagles“ hat er mehr Freiheiten als beim FC Chelsea, wo er eine eher defensivere Grundhaltung einnimmt. Neben Enyeama ist er der Star der Mannschaft und wird versuchen als Spielmotor Nigerias zu wirken. Im zentralen Mittelfeld ist neben ihm, der junge Ogenyi Onazi gesetzt. Der 21-Jährige hat sich beim Lazio Rom etabliert und weckt bereits Interesse von größeren Vereinen. Den offensivsten Part im Mittelfeld nimmt wahrscheinlich Victor Moses ein. Der dribbelstarke Nigerianer spielte bereits beim FC Chelsea und zurzeit beim FC Liverpool, wo er in dieser Saison in der Liga aber nur sechs Spiele von Beginn an machte. Er ist dennoch einer der Hoffnungsträger und ein Spieler, der die Internationale Fußballbühne gut kennt. Der Sturm war bei Nigeria in den letzten Jahren stets hervorragend besetzt. So ist es auch dieses Jahr. Auf den Außen wirbelt Ahmed Musa von ZSKA Moskau. Der junge Außenstürmer ist enorm schnell und technisch hervorragend geschult. Die Erfahrenen Victor Obinna und Peter Odemwingie streiten sich um den zweiten Platz auf der Außenposition. Möglich ist auch, dass Victor Moses auf die Außen ausweicht und Nnmandi Oduamadi seine Rolle einnimmt. Der junge Oduamadi gehört dem AC Mailand und wurde in dieser Saison in die zweite Italienische Liga ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Keshi lässt dem 23-Jährigen auch gerne mal den Vorzug gegenüber erfahrenen Spielern.

Im Sturmzentrum ist Emmanuel Emenike gesetzt. Der Stürmer ist ein gefährlicher Torjäger im besten Fußballalter und führt die Stürmertradition in Nigeria fort. Überraschend ist die Nicht-Berücksichtigung des Stürmers Ideye Brown, der eigentlich ein fester Bestandteil der Nationalmannschaft war. Auch Ikechukwu Uche wurde nicht berücksichtigt, obwohl er dreizehn Tore für Villareal erzielte.

Qualifikation:

Die Gruppe mit Malawi, Kenia und Namibia überstand man ohne Niederlage, teilte sich jedoch auch dreimal die Punkte. In den Play-Offs ging es gegen Außenseiter Äthiopien, die den Favoriten aus Nigeria im Hinspiel vor ordentliche Probleme stellten. Die Unerfahrenheit der Äthiopier, vor allem in der Abwehr, und das Vergeben zahlreicher Tormöglichkeiten, ließen schließlich doch Nigeria als Sieger vom Platz gehen. Dem 2:1 Sieg in Äthiopien, ließen die „Super Eagles“ ein 2:0 zu Hause in Calabar folgen.

Trainer:

Stephen Keshi (31.1.1962) ist ein erfahrener afrikanischer Nationaltrainer. Von 1997 bis 2004 trainierte er die „Super Eagles“ bereits als Co-Trainer. Dann folgten drei Jahre mit Togo und zwei mit Mali. Den nigerianischen Fußball kennt er in-und-auswendig und lässt sich auch vom komplizierten Verband nicht ärgern.

Prognose:

Das Spiel gegen Bosnien wird über den Einzug ins Achtelfinale entscheiden. Über Sieg oder Niederlage könnten Kleinigkeiten entscheiden. Das Klima ist sicherlich ein Vorteil für Nigeria, die mannschaftliche Geschlossenheit einer für Bosnien. Eine andere Frage ist, ob die eher schwächere Abwehr, die gefährlichen Stürmer Dzeko und Ibisevic in den Griff bekommt. Doch auch den Iran sollte man nicht Unterschätzen. Spielen die „Super Eagles“ gegen die Asiaten zu fahrig, droht ihnen eine böse Überraschung. Sollte Nigeria die Gruppe tatsächlich überstehen, könnte Nigeria gar ins Viertelfinale einziehen. Vorausgesetzt : Die Nigerianer würden im Achtelfinale nicht auf Frankreich treffen.

Autor: Arsenij Zakharov