FIFA WM 2014

WM-Check: Kamerun

Der Fußball in Kamerun erlebt momentan eine tiefe Krise. Zweimal in Folge verpassten die „Unzähmbaren Löwen“ die Afrikameisterschaft. Für die hohen Erwartungen der Kameruner, eine Katastrophe.

Erwartungen und Gruppe:

Auch die letzte WM, wo man mit null Punkten sang und klanglos in der Vorrunde ausschied, ist noch Gegenwärtig. Der Kader verspricht eigentlich wie immer, viel Potential. Doch in den letzten Jahren gab es immer wieder Streitereien und Probleme in der Mannschaft. Allen voran war Stürmerstar Eto’o, oft das Zünglein an der Waage. Der Kameruner legte sich mit Trainern, Spielern und dem Verband an und ist in seinem Heimatland längst keine Kultfigur mehr. Viel mehr machte man ihn in Kamerun zu einem der Hauptverantwortlichen der Fußballkrise. Spielerlegende Roger Milla kritisiert ihn unlängst für seine schlechten Leistungen und sein arrogantes Auftreten im Nationaldress.

Auch Volker Finke bekam den rebellischen Geist Eto’os schon zu spüren. Der Stürmer forderte Mitspracherecht bei der Aufstellung, als Finke abwinkte, trat der Stürmer für eine Zeit lang zurück. Vor vier Jahren, sorgte Eto’os Rebellion gegen Trainer Paul Le Guen ebenfalls für Chaos und Machtkämpfe im Team. Finke muss sein Team deshalb voll im Griff haben, ansonsten droht die nächste Enttäuschung für das von Korruption zerfressene Land. Auch die Gruppengegner erzeugen nicht unbedingt viel Hoffnung. Neben Gastgeber Brasilien, trifft Kamerun auf Kroatien und Mexiko. Beide Teams präsentieren sich bei großen Turnieren meist stark, was man von den Kamerunern zuletzt nicht behaupten konnte. Die Kroaten reisen dieses Jahr zudem mit einer sehr starken Mannschaft an. Das Kamerun diese Gruppe bestehen kann, ist eher unwahrscheinlich. Die Erwartungen der Fans sind jedoch trotz der Umstände, ähnlich wie bei Nigeria, sehr hoch. Man erinnert sich an die glorreiche WM 1990, wo Kamerun als erstes afrikanisches Team ins Viertelfinale vorstieß. Gleiches oder sogar mehr, wird auch dieses Jahr wieder erwartet. Volker Finke erzählte in einem Interview, dass Viele sogar das Erreichen des Endspiels erwarten würden.

Die Mannschaft:

Die Mannschaft Kameruns besteht fast ausschließlich aus Legionären. Zentrale Figur ist natürlich Stürmer Samuel Eto’o, der für viele Tore sorgen soll. Dreimal gewann Eto’o die Championsleague und wurde viermal zu Afrikas Fußballer des Jahres gewählt. Wenn er seine Qualitäten in den Dienst der Mannschaft stellt, ist er trotz seines fortgeschrittenen Fußballalters eine Gefahr für jeden Torhüter. Vertreter Eto`os ist der ebenfalls erfahrene Pierre Webo. Unterstützt wird Eto’o durch die beiden Außenstürmer Vincent Aboubakar und Eric Maxim Choupo-Moting. Beide haben eine sehr erfolgreiche Saison hinter sich. Aboubakar traf sechzehn mal für den FC Lorient und Choupo-Moting gelangen zehn Tore in der Bundesliga für Mainz. Benjamin Moukandjo hilft bei Bedarf aus.

Das zentrale Mittelfeld bilden drei routinierte Spieler. Der robuste Alex Song soll vor der Abwehr aufräumen. Jean Makoun erfüllt den offensiveren Teil und soll als Umschaltstation funktionieren. Eyong Enoh, Landry N’Guemo und Stephane Mbia streiten sich um den letzten Platz. Letzteres spielte mit dem FC Sevilla eine tolle Saison, gewann die Europaleague und sollte die besten Karten haben. Den Kamerunern mangelt es im Mittelfeld trotz Erfahrung dennoch an schnelleren und offensiveren Leuten.

Die Innenverteidigung bilden Nicolas N’Kolou und Aurelien Chedjou. Beide sind eisenharte Verteidiger, die ihren Gegnern deutlich zusetzen können. Vor allem N’Kolou entwickelte sich bei Olympique Marseille in der letzten Zeit prächtig und ist dort unangefochtener Stammspieler. Mit Joel Matip hat man auch auf der Bank eine gute Alternative, die im Notfall auch im Mittelfeld eingesetzt werden kann. Auf der linken Abwehrseite streiten sich Henri Bedimo und Benoit Assou-Ekotto um den Platz in der Startelf. Bedimo gelangen in dieser Saison zehn Assists und ein Tor für Olympique Lyon. Er wäre die offensivere Wahl und ist wohl auch favorisiert. Auf rechts dürfte Allan Nyom vom FC Granada verteidigen. Die Nummer eins Kameruns ist Charles Itandaje. Er gilt als guter Keeper mit starken Reflexen.

Qualifikation:

Die tabellarische Überlegenheit in der Qualifikationsgruppe I, war lediglich auf dem Papier gegeben. Die vier Punkte Abstand auf Lybien, resultierten vor allem aus der Bestrafung Togos, die beim 2:0 Sieg gegen Kamerun mit Jaques Romao, einen nicht-spielberechtigten Akteur aufstellten. Das Spiel wurde mit 3:0 für Kamerun gewertet, was den „Unzähmbaren Löwen“ bei der Qualifikation sichtlich half. Die Play-Offs verliefen hingegen deutlich angenehmer. Dem 0:0 in Tunesien, ließen die Kameruner ein sicheres 4:1 zu Hause folgen.

Der Trainer:

Volker Finke ging in Deutschland als ewiger Trainer des SC Freiburgs in die Geschichte ein. Sechzehn lange Jahre trainierte er die „Breisgauer Brasilianer“. In den letzten Jahren zog es ihn dann weiter Weg. Nach der Station bei den Urawa Red Diamods, entschied er sich für die Aufgabe als Nationaltrainer Kameruns. Wie ein Kind freut sich Finke über sein erstes WM-Turnier. Doch die Aufgabe ist mit Kamerun schwer genug.

Prognose:

Kamerun wird aller Voraussicht nach in der Gruppenphase ausscheiden. Gegen Kroatien, Mexiko und Brasilien scheint in der jetzigen Krise und Verfassung keine Kraut gewachsen. Gelingt es Trainer Finke ein homogenes Team aufzubauen, kann die Mannschaft zumindest mit guten und kämpferischen Auftritten, den Weg in eine bessere Zukunft legen. Ob das die hohen Erwartungen der Fans befriedigt, ist eine andere Frage.

Autor: Arsenij Zakharov