FIFA WM 2014

WM-Check: Ghana

In Ghana ist man sich zweier Dinge bewusst. Zum einen ist man sich einig, dass die Gruppe mit Deutschland, Portugal und der USA schwerer nicht sein könnte. Zum anderen hofft man auf die wohl am besten besetzte Mannschaft, in der Geschichte des ghanaischen Fußballs.

Gruppe und Erwartungen:

Noch nie hatte der Nationaltrainer Ghanas wohl so eine große Auswahl an herausragenden Fußballern. Nach dem Erfolg bei der letzten Weltmeisterschaft, wo nur ein Lattenschuss vom Elfmeterpunkt in der Nachspielzeit der Verlängerung, die Träume vom ersten afrikanischen Team im Halbfinale zerstörte, will Ghana wieder erfolgreich angreifen. Der Kader scheint sogar besser zu sein, als beim Erfolg von 2010. Dabei haben die „Black Stars“ gegenüber den anderen afrikanischen Mannschaften noch einen weiteren wichtigen Vorteil : Sie treten als Mannschaft auf. Davon zeugte in jünger Zeit vor allem das 6:1 gegen die unangenehmen und kompakten Ägypter, die dank ihrer mannschaftlichen Geschlossenheit, drei Afrika-Cup Titel in Folge feierten.

Einer der Gründe für diese ghanaische Stärke, könnte auch die stabile politische Lage im Heimatland sein. Denn in Afrika scheinen Politik und Fußball, stets eng verstrickt zu sein. Die Hoffnung auf eine Wiederholung des WM-Erfolgs von 2010 und 2006, lebt in den Menschen, trotz schwerer Gruppe. Manche Sprechen sogar vom WM-Titel, was auf dem schwarzen Kontinent aber selbst bei deutlich schwächeren Mannschaften keine Seltenheit ist.

Die Mannschaft:

Trainer Kwesi Appiah lässt seine Mannschaft am liebsten mit zwei Stürmern spielen. Dabei ist Kapitän Asamoah Gyan gesetzt. Der Stürmer ist ein gefährlicher Torjäger, auch wenn er momentan nur in der saudi-arabischen Liga spielt. Neben seinen Qualitäten auf dem Platz, ist er ein bedeutender Führungsspieler seiner Mannschaft. Neben ihm, lässt Trainer Appiah am liebsten den jungen Majeed Waris spielen. Die Alternative zu Waris wäre Jordan Ayew, der jüngere Bruder von Andrew Ayew. Dabei ist Andrew in seiner Karriere bereits einen Schritt weiter, als sein jüngerer Bruder. Er ist einer der Hoffnungsträger Ghanas und soll auf der rechten Angriffsseite mit seinen Dribblings für mächtig Unruhe sorgen.

Die gleiche Aufgabe erfüllt auf Links der international erfahrene Kwadwo Asamoah von Juventus Turin. An gefährlichen Angriffen über die Außen, sollte es den Ghanaern also nicht mangeln. Das Prunkstück der Ghanaer, das Mittelfeld, wird durch die beiden zentralen Mittelfeldspieler veredelt. Michael Essien ist einer davon. Der Routinier war seiner Zeit der wohl beste defensive Mittelfeldspieler der Welt. Diese Klasse besitzt er nicht mehr, ganz verloren, hat er sie aber auch nicht. Vor allem bei einem WM-Turnier wird der Mittelfeldspieler motiviert sein. An seiner Seite spielt, der ebenfalls schon ältere, Sulley Muntari. Er nimmt eine offensivere Rolle ein und ist, im Gegensatz zu Essien, eher für die Angriffe der Ghanaer zuständig. Beide Spieler kennen sich vom AC Mailand und werden wohl perfekt aufeinander abgestimmt sein. Falls Appiah eine defensivere Ausrichtung wählt und nur einen Stürmer spielen lässt, rückt der deutsch-ghanaer Kevin Prince Boateng ins Team.

Neben Boateng hat Appiah mit Mubarak und Atsu ausreichend Varianten im Mittelfeld. Anders sieht es in der Schwachstelle der Ghanaer aus, der Abwehr. Dort verfügt Ghana über keinen Spieler, mit großer Erfahrung oder hoher Qualität. Opare, Akaminko, Inkoom, Mensah oder auch Boye, sind alles Spieler, die bei eher kleinen Vereinen spielen und die große Fußballbühne nicht kennen. Ob die Qualität gegen Angriffsreihen wie die der Deutschen oder Portugisieschen reicht, ist fraglich. Im Tor hat sich Trainer Appiah noch nicht entschieden, ob er lieber Fauta Dauda oder Adam Kwarasey spielen sieht. Wie in fast alle afrikanischen Teams, ist auch bei Ghana, die Torwartposition nicht optimal besetzt. Vielleicht kann aber gerade eine WM, den Schlussmann, über sich hinaus wachsen lassen.

Die Qualifikation:

Ghana qualifizierte sich ohne jegliche Probleme für die Weltmeisterschaft in Brasilien. In der Gruppe konnte man sich in fünf von sechs Spielen gegen Sambia, Lesotho und den Sudan durchsetzen. In den Play-Offs erwartete man schließlich ein enges Duell gegen Afrika-Cup Rekordmeister Ägypten. Die „Black Stars“ hatten aber keine Lust auf Nervenkitzel und machten bereits im Hinspiel mit einem 6:1 alles klar. Die 1:2 Rückspielniederlage war für die Ägypter lediglich Ergebniskosmetik.

Der Trainer:

In Ghana gilt eine Regel : Nur mit einem einheimischen Trainer kann Ghana Turniere gewinnen. Die vier Afrika-Cup Siege, holten die „Black Stars“ immer mit einem Landsmann. Bei der WM entschied man sich für James Kwesi Appiah. Er war bereits bei der WM 2010 als Co-Trainer Ghanas dabei und fungiert seit zwei Jahren in der Hauptfunktion. Mit Appiah kann man sich sicher sein : Die zahlreichen Traditionen, Gewohnheiten und Rituale der Nationalmannschaft, werden nicht auf taube Ohren stoßen. Das könnte auch dem Teamgeist gut tun.

Prognose:

Wenn Ghana das erste Spiel gegen die USA gewinnen kann, ist ein Weiterkommen durchaus möglich. Gegen Portugal muss Cristiano Ronaldo in Schach gehalten werden, wenn das gelingt, ist Portugal sicherlich schlagbar. Gegen Deutschland wird es für die „Black Stars“ sicherlich sehr sehr schwer. Vielleicht kann da, ein vorzeitiges Weiterkommen der DFB-Elf, helfen. Auch die klimatischen Bedienungen sollten den Ghanaern in die Karten spielen. Übersteht Ghana die Gruppe, ist das Viertelfinale durchaus drin. Dann sollte für die Westafrikaner aber Schluss sein.

Autor: Arsenij Zakharov